Mein Name ist Claudia Janusch und am 01.08.2025 eröffnete ich meine eigene Praxis für Ergotherapie. Geplant war das ganze nicht, der Gedanke zur Selbstständigkeit kam tatsächlich erst im März 2025 – aber immer schön der Reihe nach:
Es muss Ende 2016/Anfang 2017 gewesen sein - damals arbeitete ich in der Fördergruppe (angebunden an die Werkstatt für behinderte Menschen) mit teilweise schwerstmehrfach-behinderten Menschen zusammen. Irgendwann sprachen mich die Kollegen an, dass ich sie gar nicht mehr bemerke, wenn sie den Gruppenraum betreten und mich ansprechen, ich ihnen aber mit dem Rücken zugewandt bin.
Da kam natürlich schnell die Frage auf, ob ich vielleicht nicht gut hören kann. Ein paar Monate konnte ich das ganze schmunzelnd umgehen, bis ich abends immer so müde und ko. war, weil ich den ganzen Tag angestrengt hören musste und doch nicht mehr als verstanden habe. Also führte mich der Weg zum HNO Arzt. Dieser diagnostizierte dann eine mittel- bis hochgradige Schwerhörigkeit beidseits und stellte eine Verordnung für Hörgeräte aus. Auf einmal hatte die Welt um mich herum wieder einen Klang, es war verrückt und ich begriff, was ich alles verpasst habe. Im Laufe der Jahre wurden die Hörgeräte immer wieder nachjustiert, die Hörleistung stagnierte aber nicht, sie nahm trotz einer Tragezeit von sieben Tagen in der Woche über 12 Stunden pro Tag, immer weiter ab. Und ich lernte in den folgenden Jahren Kompensationsstrategien zu entwickeln, um meine Schwerhörigkeit aus dem Fokus meines täglichen Lebens zu halten.
Februar 2024 – ich hatte eine ärztliche Vorstellung bei meiner neuen HNO Ärztin in Halle (Saale). Es folgte ein Hörtest, bei dem ich kaum etwas verstand und Töne erst ankamen, wenn der Regler ganz oben war. Die Ärztin empfahl mir, aufgrund meines jungen Alters von 35 Jahren, über ein Cochlea Implantat nachzudenken und gab mir einen Überweisungsschein für die HNO-Ambulanz der Uni-Klinik Kröllwitz mit. Der vereinbarte Termin war da und ich sehr aufgeregt. Was würden die Ärzte sagen, war ein Cochlea
Implantat bei mir überhaupt möglich, wollte ich es denn überhaupt? Ich musste bei der Patientenaufnahme drei Mal nachfragen, wo ich hin muss, was ich als nächstes machen soll – weil ich die gesprochenen Worte einfach nicht verstand. Tränen kullerten über meine Wangen und ich wusste JA, ICH WILL UND BRAUCHE EIN CI.
Nach vielen verschiedenen Untersuchungen stand fest, ich habe eine beidseitige, an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit – wir beginnen mit der OP auf der linken Seite und halten uns eine rechtsseitige OP zu einem späteren Zeitpunkt offen. Die OP und die Heilung war überstanden, die Erstanpassung lief so gut, dass mir die Reha in Bad Nauheim empfohlen wurde. In der Vorweihnachtszeit 2024 war ich dann also in Bad Nauheim, lernte unglaublich viel über die Hörprozesse, über Alltagsstrategien und vor allem über mich.
Als ich wieder zu Hause war, konnte ich so gut hören, dass meiner Familie erst bei der Verabschiedung von gemeinsamen Treffen aufgefallen, dass ich im Gespräch nicht einmal nachfragen musste. Innerhalb von zwei Monaten entschied ich mich für die OP der rechten Seite. Diese wurde angesetzt für August 2025. Und dann kamen Gedanken in mir auf, vielleicht waren es noch Gedanken, die etwas tiefer im Reisegepäck der Reha lagen, vielleicht waren es Gedanken die bereits während der Wiedereingliederung nach der ersten OP auf meinen Schultern saßen, oder war es vielleicht doch das Selbstbewusstsein was anklopfte, weil ich mein Gehör wieder zum Teil zurückhatte und somit nicht mehr vollkommen auf die Rücksicht und Hilfsbereitschaft meiner Umgebung angewiesen war???
Ich glaube es war eine Kombination aus allem.
Also ging im März 2025 alles ganz schnell – ich erzählte meinem Mann (der mich immer in allem unterstützt) von meinen Plänen der Selbständigkeit und telefonierte mit der Uni-Klinik Halle (Saale), ob eine Vorverlegung des OP-Termins möglich wäre. Na klar war es möglich, von August auf Juni wurde dann vorverlegt. Die Suche nach entsprechenden Räumlichkeiten begann – sie mussten zum einen zu den Rahmenbedingungen für die Zulassung einer Praxis entsprechen, zum anderen aber auch zu mir und meinen
Ohren passen. Auch haben wir uns viel über natürlichen und elementaren Schallschutz belesen und entsprechend meine Praxisräume noch vor der OP im Juni begonnen zu renovieren und einzurichten.
Auch die zweite OP war erfolgreich und die Erstanpassung verlief für alle Seiten wieder sensationell gut. Ich war aufgeregt und glücklich am 01.08.2025 meine kleine Praxis für Ergotherapie eröffnen zu können, mit allem was ich für ein gutes Therapieren und hören brauche.
Am Ende meiner Erzählung könnte man überlegen, ob alles vielleicht ein Schnellschuss war…nein war es nicht, es war für mich bestimmt – der Zeitpunkt, der Ort, der Weg. Denn schon lange war mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein nicht mehr so groß wie nach dem neuen Hörerfolg durch meine zwei Cochlea Implantate.
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Ihre Claudia Janusch