Was ist ein Audiogramm

Ein Hörverlust wird mithilfe eines standardisierten Hörtests festgestellt. Der HNO-Arzt führt dabei in der Regel zwei unterschiedliche Messungen durch. Die Ergebnisse werden als eine Art Kurve in einem sogenannten Audiogramm festgehalten – einem übersichtlichen Diagramm, welches das Hörvermögen grafisch darstellt und auf einen Blick zeigt, in welchen Bereichen das Hören eingeschränkt ist.

Luft- und Knochenleitung

Zunächst erfolgt die Messung über Kopfhörer. Dabei werden Töne verschiedener Tonhöhen und Lautstärken abgespielt, um zu prüfen, wie gut der Schall über den natürlichen Hörweg – also durch den Gehörgang und das Trommelfell – bis ins Innenohr gelangt. Diese Untersuchung wird als Luftleitungsmessung bezeichnet und bildet das Hören im Alltag ab.

Ergänzend dazu führt der HNO-Arzt eine zweite Messung durch, bei der ein kleines Vibrationsinstrument hinter dem Ohr auf den Knochen gesetzt wird. Diese sogenannte Knochenleitungs- oder Schallleitungsmessung überträgt die Schallreize direkt über den Schädelknochen ins Innenohr und umgeht dabei das Außen- und Mittelohr. Diese Art des Hörens spielt unter anderem bei der Wahrnehmung der eigenen Stimme eine Rolle – weshalb diese auf Tonaufnahmen oft ungewohnt klingt.

Der Vergleich beider Messungen ist besonders aufschlussreich: Zeigt sich eine Abweichung zwischen Luft- und Knochenleitung, lässt sich erkennen, ob die Ursache der Hörminderung im Außen- oder Mittelohr liegt oder ob das Innenohr betroffen ist.

Hörschwelle

Aus den Messergebnissen wird die sogenannte Hörschwelle bestimmt. Sie beschreibt die leiseste Lautstärke, die bei einer bestimmten Tonhöhe gerade noch wahrgenommen werden kann. Da diese Schwelle je nach Frequenz unterschiedlich ist, entsteht im Audiogramm eine individuelle Kurve. Auf Grundlage dieser Hörschwellen wird der Hörverlust in fünf Schweregrade eingeteilt – von einer leichten Hörminderung bis hin zu einer hochgradigen Schwerhörigkeit.

 

Normalhörigkeit: Ein Abweichen der Hörfähigkeit von der definierten Hörschwelle bis 20 dB liegt im Bereich der Normalhörigkeit. Gut hörende Menschen verstehen noch Flüstern – bei 10-15 dB. Über 20 dB müssen Sie lauter sprechen oder nachfragen.


Geringgradige Schwerhörigkeit:  Die betroffene Person kann erst Töne mit einer Schallintensität von 25 bis 40 dB hören, d.h. etwa das Ticken einer Armbanduhr oder Blätterrauschen können akustisch nicht mehr wahrgenommen werden. 


Mittelgradige Schwerhörigkeit beginnt bei einem Hörverlust von 40 dB, dies entspricht etwa den Grundgeräuschen in Wohngebieten. Die betroffene Person kann erst Töne mit einer Schallintensität von 40 bis 60 dB hören. Meist stellen betroffene Personen den Fernseher lauter oder bitten im Gespräch öfter um Wiederholung.  


Hochgradige Schwerhörigkeit entsteht bei mindestens 60 dB, das bedeutet, dass Gespräche in üblicher Lautstärke (ca. 60 dB) kaum noch möglich sind, selbst in leiser Umgebung - Betroffene reagieren oft nur auf lautes Rufen oder Lippenlesen.


An Gehörlosigkeit grenzende Schwerhörigkeit beginnt bei einem Hörverlust von mehr als 80 dB. In diesen Fällen hört man weder laute Musik noch die Geräusche einer Autobahn. Hört man praktisch nichts mehr, ist man taub bzw. gehörlos.

 

Das Audiogramm zeigt nicht nur die Schweregrade der Hörschädigung auf, sondern gibt auch eine klare Indikation für ein Cochlea-Implantat (CI): Bei einem intaktem Hörnerv wird in der Regel ein CI empfohlen, vor allem dann, wenn Hörgeräte – besonders bei hohen Frequenzen oder starkem Verlust – nicht mehr ausreichen.